Rede des Botschafters der Bundesrepublik Deutschland, Herrn Dr. Roland Wegener zum Tag der Deutschen Einheit am 04. Oktober 2011

Anreden,

ich freue mich über die Gelegenheit, Sie heute Abend zu begrüßen, um mit Ihnen das Fest der Deutschen Einheit zu feiern. Besonders herzlich begrüße ich auch unseren Gast aus Deutschland, den Parlamentarischen Staatssekretär im Ministerium für Bildung und Forschung, Herrn Thomas Rachel.

Wir Deutsche gedenken heute in Freude und Dankbarkeit der Wiedererlangung der Deutschen Einheit. Die jahrzehntelange Teilung unseres Volkes wurde an diesem Tag endgültig überwunden. In die Freude mischt sich aber auch die Erinnerung an die Errichtung der Mauer im August 1961, die die deutsche Teilung zuvor fast 30 Jahre zementierte. Diese Mauer, der Stein gewordene Ausdruck der Angst eines Regimes vor dem eigenen Volk, wurde nach vielen Jahren umgestürzt. Von ihr künden nur noch einzelne Stücke, wie wir sie hier in unserem Garten zur Erinnerung sehen.

Deutschland und Europa haben die Teilung überwunden. Sie sind seit über 20 Jahren nunmehr zusammengewachsen. Wir haben die Gestaltung Deutschlands vorangebracht und stehen nun erneut vor der großen europäischen Gestaltungsaufgabe, die sich nahtlos anschließen muss. Ein wesentlicher Teil dieser Gestaltungsaufgabe ist heute die Bewahrung des Euro als europäischer Währung und hier in Griechenland die Unterstützung eines unserer Partnerländer, das durch die Weltwirtschaftskrise in seiner weiteren Entwicklung schwer gestört worden ist und gegenwärtig ringt mit Fehlern und Versäumnissen in der Entwicklung der letzten 20 Jahre, die nunmehr aufgearbeitet werden müssen.

Aber der August war auch der Zeitpunkt eines zweiten deutschen Jubiläums einer glücklicheren Erinnerung, nämlich an die Erfindung des Automobils in Stuttgart vor nunmehr 125 Jahren. Mir als Schwaben werden Sie nicht verdenken, dass ich das als eine ganz und gar schwäbische Großtat hervorhebe, die Erfindung des schwäbischen Konstrukteurs Carl Benz. Der große Durchbruch kam, als es seiner schwäbischen Ehefrau mit Kindern gelang, im August 1896 immerhin 100 Kilometer von Stuttgart über die Berge nach Pforzheim zu fahren.

In diesen 125 Jahren hat die deutsche Erfindergabe sich entwickelt von den Zeiten der Oldtimer-Automobile, die Sie in diesem Garten sehen, bis zu dem neuesten futuristischen Modell, das den heutigen Kontrast zu den alten Automobilen setzt. Sie wurde zur Grundlage der deutschen Industrieproduktion und des deutschen Exports im Weltmaßstab. Ich danke in diesem Zusammenhang für die großzügige Unterstützung der Firma Mercedes-Benz Hellas und dem Museum „Phaeton“ in Oropos.

Griechenland steht heute vor der Aufgabe, im Rahmen einer umfassenden Wirtschaftsreform eine Steigerung des industriellen Leistungs- und Exportvermögens zu erreichen. Deutschland unterstützt das Bemühen der griechischen Regierung, nunmehr aufzuholen gegenüber den vielen verpassten Möglichkeiten der Vergangenheit. Im Rahmen von Reform und Neubeginn der griechischen Wirtschaft wird Deutschland in den kommenden Jahren seinen Beitrag leisten. In wenigen Tagen wird der Bundesminister für Wirtschaft, Herr Dr. Philipp Rösler, in Athen den Auftakt geben für die Begegnung der deutschen und der griechischen Wirtschaft, um in Solidarität den Weg zusammen in Griechenlands Zukunft zu gehen.

Diese Investitions- und Wachstumsinitiative unseres Bundeswirtschaftsministers ist zwar die zentrale Dimension des umfassenden deutsch-griechischen Partnerschaftsprogramms, das die Regierungschefs unserer beiden Länder am 5. März 2010 in Berlin in Auftrag gegeben haben. Es freut mich aber auch, dass heute der Staatssekretär unseres Bildungs- und Forschungsministeriums nach Athen gekommen ist, um in diesem Bereich die Partnerschaft zu vertiefen, die für die Zukunft Griechenlands und insbesondere seiner jungen Generation von besonderer Bedeutung ist.

Zur Kultur gehört auch die Musik, nicht nur hier in Griechenland, sondern auch in Deutschland und gerade bei uns Schwaben. Wie in Griechenland kann auch in Schwaben kein Fest ohne Musik gefeiert werden. Das soll auch heute Abend für uns gelten, wenn wir Deutsche und Griechen gemeinsam die Deutsche Einheit feiern. Ich begrüße dazu besonders herzlich den Beitrag Deutschlands, die Band „Herr Diebold und Kollegen“, die aus Schwaben gekommen ist, um ihre Musik in Griechenland vorzustellen.

Zunächst aber leiten wir diese deutsch-griechische Begegnung ein mit unseren beiden Nationalhymnen, die gesungen werden von Karin Sandmeyer, einer großen Begabung an der Deutschen Schule Athen.

Ich danke Ihnen Allen, dass Sie gekommen sind, um an unserer Freude teilzuhaben.

Empfang zum Tag der Deutschen Einheit

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