Der Präsident der Hellenischen Republik, Karolos Papoulias, zu Besuch in Berlin

Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias (l) und Bundespräsident Joachim Gauck geben sich am 07.01.2013 im Lichthof des Martin-Gropius-Bau in Berlin die Hand, im Hintergrund Gipsabgüsse hellenischer Skulpturen. Anlass ist der Besuch der Ausstellung "Mythos Olympia. Kult und Spiele in der Antike". Bild vergrößern Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias (l) und Bundespräsident Joachim Gauck im Lichthof des Martin-Gropius-Bau in Berlin. (© picture alliance / dpa) Bundespräsident Joachim Gauck ist am 7. Januar 2013 mit dem griechischen Präsidenten Karolos Papoulias in Berlin zusammengetroffen. Beide Staatsoberhäupter besuchten am Vormittag zunächst gemeinsam die Ausstellung "Mythos Olympia - Kult und Spiele" im Martin-Gropius-Bau. Die Schau mit über 800 Exponaten ist ein deutsch-griechisches Gemeinschaftsprojekt. Beide Präsidenten haben die Schirmherrschaft über die Ausstellung übernommen. Anschließend lud Bundespräsident Gauck Präsident Papoulias zu einem Mittagessen ins Schloss Bellevue ein. Dabei fand im Kreis der Delegationen ein gut 90-minütiges politisches Gespräch statt.

Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner Ansprache beim Mittagessen zu Ehren des griechischen Präsidenten Karolos Papoulias

Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner Ansprache beim Mittagessen zu Ehren des griechischen Präsidenten Karolos Papoulias Bild vergrößern Bundespräsident Joachim Gauck bei seiner Ansprache beim Mittagessen zu Ehren des griechischen Präsidenten Karolos Papoulias (© Jesco Denzel) Kalimera – Ich heiße Sie und Ihre Delegation noch einmal herzlich in Berlin willkommen. Sie kommen in ein Land und zu Menschen, die Sie aus eigenem Erleben sehr gut kennen. Auch insofern ist das ein außergewöhnliches Zusammentreffen und ich freue mich darüber.

Unser Ausstellungsbesuch heute Vormittag hat mir erneut vor Augen geführt, wie viel Gutes Deutschland und Griechenland gemeinsam zu leisten in der Lage sind. Eine begeisternde Schau, zustande gekommen in vorbildlicher Zusammenarbeit. Die Kult- und Sportstätte Olympia bezeugte die Einheit in der Vielfalt der griechischen Poleis, die Gemeinsamkeit im Wettbewerb. Wer dächte da nicht an Europa – unsere heutige gemeinsame Polis, für die wir gemeinsam Verantwortung tragen!

Griechenland befindet sich in einer tiefen wirtschaftlichen und sozialen Krise. Gerade die ganz normalen Bürger schultern seit jetzt drei Jahren enorme Lasten. Ich wage mir gar nicht auszumalen, was geschähe, wenn im deutschen öffentlichen Dienst die Gehälter um bis zu 30 Prozent gekürzt und Renten um bis zu 40 Prozent beschnitten würden. Was den Menschen in Griechenland abverlangt wird, wissen wir in Deutschland sehr wohl. Aber auch viele Griechen sagen, dass sich die Lage in ihrem Land dauerhaft nur bessern kann, wenn in Staat und Gesellschaft die erforderlichen Reformen durchgeführt werden. Das wird Zeit und Ausdauer brauchen. Am Ende aber, da bin ich sicher, werden sich die Anstrengungen auszahlen, vor allem für die Griechinnen und Griechen selbst.

Wir Deutsche unterstützen Sie auf diesem Weg. Wir wollen, dass Ihr Land einen neuen Aufbruch schafft. Griechenland ist für uns ein unverzichtbarer Teil der Europäischen Union. Ganz Europa schaut auf Griechenland, ganz Europa bangt mit Griechenland, weil für die meisten von uns offensichtlich ist, was für die Union insgesamt auf dem Spiel steht. Die Regierung Samaras hat sich auf den Weg gemacht, Vertrauen der Partner zurückzugewinnen. Auch dies wird nicht von heute auf morgen gelingen. Ich bin jedenfalls froh, dass die Bundesregierung bei der Modernisierung Griechenlands hilft – etwa im Bereich der öffentlichen Verwaltung oder im Gesundheitswesen. Bilateral, über die Deutsch-Griechische Partnerschaft und die Deutsch-Griechische Versammlung, aber auch im Verbund mit unseren europäischen Freunden in der „Task Force Griechenland“.

Mittagessen des Bundespräsidenten zu Ehren Ihrer Exzellenzen des Präsidenten der Hellenischen Republik, Herrn Dr. Karolos Papoulias, und Frau May Panou Papoulia Bild vergrößern Mittagessen des Bundespräsidenten zu Ehren Ihrer Exzellenzen des Präsidenten der Hellenischen Republik, Herrn Dr. Karolos Papoulias, und Frau May Panou Papoulia (© Jesco Denzel) Herr Präsident, die letzten Jahre waren nicht einfach für die deutsch-griechischen Beziehungen. Das sagen uns die Umfragen, das sagt uns der Blick in die Medien. Lag es nur an den Folgen der Krise und an den Folgen der Versuche, sie zu bewältigen – in Griechenland wie hier in Deutschland? Waren es auch die mitunter verletzenden und bisweilen unverantwortlichen Kommentierungen in der Presse, hier wie dort, die zusätzlich Öl ins Feuer gegossen haben? Vielleicht liegt die Ursache auch darin, dass wir nicht intensiv miteinander im Gespräch geblieben sind, weil wir uns zu lange mit an und für sich erfreulichen Feststellungen begnügt haben: dass geschätzt eine Million Griechen seit Ende der fünfziger Jahre in Deutschland gelebt, studiert und gearbeitet haben und mit meist guten Erinnerungen in ihre Heimat zurückgekommen sind. Und dass umgekehrt der Name Griechenland für viele Deutsche von einem großen Zauber begleitet war und ist – sei es aus humanistischer Bildung, sei es wegen der olympischen Idee, sei es wegen unvergesslicher Urlaubserlebnisse mit gastfreundlichen und liebenswerten Menschen. Jetzt sprechen wir nach meinem Eindruck wieder mehr miteinander als übereinander. Vieles ist zwischen unseren beiden Ländern neu in Bewegung gekommen, zahlreiche Initiativen sind entstanden. Das ist gut so.

Sie, Herr Präsident, sind im Widerstand gegen die deutsche Besatzung groß geworden. Sie haben 13 Jahre in Deutschland gelebt und von Köln aus zusammen mit anderen Exilgriechen den Kampf gegen das Obristenregime in Ihrer Heimat geführt. Die Deutsche Welle hatte Ihnen allen dafür eine Stimme gegeben. Mit diesem mich sehr beeindruckenden Lebenslauf stehen Sie ganz persönlich für die engen bürgerschaftlichen Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern. Der berufliche Werdegang Ihrer Frau an der Universität Köln und der Ihrer drei Töchter, die bis heute in Deutschland leben, zeigt, wie gut die Integration der griechischen Bevölkerungsgruppe in Deutschland immer wieder gelungen ist. Wir wissen, was wir an unseren griechischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern haben. Sie gehören zu uns und bereichern unser Land. Ermutigen wir sie, noch mehr als Brücke zwischen Deutschland und Griechenland zu wirken als bisher! Ich denke, im Herzen und in der Willenskraft dieser Menschen, die bei uns leben und zugleich Griechenland in einmaliger Weise verbunden sind, liegt eine großartige Chance für unser Miteinander in Europa.

In diesem Sinne, Herr Staatspräsident, erhebe ich mein Glas und trinke auf Ihr persönliches Wohl, auf eine gute Zukunft des griechischen Volkes, das das Fundament Europas geprägt hat, und auf die deutsch-griechische Freundschaft und Partnerschaft. Uns allen ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2013!

Besuch des Präsidenten von Griechenland

Ausstellung 'Mythos Olympia - Kult und Spiele' im Martin-Gropius-Bau in Berlin.

Bundespräsidialamt

Besuch des Präsidenten von Griechenland in Berlin