Ansprache des deutschen Botschafters Dr. Wolfgang Schultheiss auf der Gedenkfeier in Kommeno am 16. August 2008
Botschafter Dr. Wolfgang Schultheiss
Sehr geehrter Herr Bürgermeister,
liebe Bürger von Kommeno,
es ist inzwischen Tradition geworden, dass der deusche Botschafter oder ein anderes Mitglied der deutschen Botschaft in Athen an der Gedenkfeier in Kommeno teilnimmt. Und das ist gut so. Es zeigt, dass die Wunden der Vergangenheit zu verheilen beginnen und dass wir in der Lage sind, etwas gemeinsam zu tun. Gemeinsam der Toten zu gedenken ist dabei besonders schwer. Denn sie gehören doch ihren Angehörigen und der Dorfgemeinschaft, und es ist verständlich, wenn man keinen Fremden, und am allerwenigsten einen Vertreter der Täter, dabei haben will.
Umso mehr schätze ich, dass Sie uns regelmäßig einladen, ja, mich sogar hier sprechen lassen.
Was vor 65 Jahren geschah, ist ein grausames, durch nichts gerechtfertigtes, sinnloses Verbrechen. Man kann auch nicht sagen: Krieg ist Krieg. Es war damals wie heute so unvorstellbar, dass die Nachkommen der Täter lange die Augen davor verschlossen haben. Erst jetzt ist das Buch von Hermann Frank Meyer erschienen, “Blutiges Edelweiß”, eines Mannes, dessen Vater in Griechenland von Partisanen erschossen wurde. In diesem Buch werden die Greueltaten der ersten Gebirgs-Division in Griechenland schildert. Mit dem Film “Das Lied des Argyris” sind diese Verbrechen und das Schicksal der Überlebenden auch bildlich eindrucksvoll festgehalten worden.
Eine, ja zwei Generationen hat es gebraucht, bis wir einigermaßen unbefangen über die Vergangenheit sprechen können. Ganz unbefangen kann das kein Deutscher tun und kein Angehöriger eines Opfers. Aber heute, 65 Jahre danach, können wir zugleich mit der Erinnerung, die unser Herz verkrampft, sehen, was seitdem geschehen ist.
Und da sehen wir gemeinsame Anstrengungen des Wiederaufbaus in Griechenland und des wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland, wir sehen ein gemeinsames Zusammenstehen in der NATO gegen äußere Feinde, wir sehen den Wunsch nach und das Handeln für ein gemeinsames Europa, das nationalistische Reflexe verblassen und eine europäische Identität entstehen läßt, und wir sehen ein gemeinsames Eintreten für die Achtung der Menschenrechte überall auf der Welt. Wir befinden uns, was die Gegenwart und die Zukunft anbelangt, wieder im Gleichklang.
Was die Vergangenheit anbelangt, so sind wir auf gutem Wege. Und das ist zum größten Teil “dem großen Herzen der Griechen” geschuldet, wie mir Präsident Papoulias vor drei Jahren bei meinem Antrittsbesuch sagte. Und ein Beweis dessen ist die herzliche Gastfreundschaft, mit der Sie mich heute empfangen und für die ich mich sehr bei Ihnen bedanke.