Ansprache des deutschen Botschafters auf der Veranstaltung in Mousiotitsa am 30.10.07
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Botschafter Dr. Wolfgang Schultheiss
Herr Bürgermeister,
liebe Bürger von Mousiotitsa,
liebe Gäste aus Wolfratshausen,
meine Damen und Herren.
Ich komme heute mit einer Schülergruppe aus Deutschland, um der Frauen, Kinder und Männer zu gedenken, die von deutschen Besatzungstruppen getötet worden sind.
Für diese jungen Leute ist es noch viel unfassbarer als für mich, was damals vor 64 Jahren geschehen ist. Ich bin in den letzten Kriegstagen geboren, und natürlich haben Eltern, Onkels und Lehrer von dem Krieg, vom Leben in Hitlers Deutschland und von der Nachkriegszeit, von der ich auch noch einen Teil erlebt habe, erzählt.
Wir wurden in der Schule auch mit dem Holocaust, also der Vernichtung der Juden, konfrontiert, und da hatten wir natürlich Fragen an unsere Eltern. Von Verbrechen der deutschen Wehrmacht haben wir nichts gehört, weder von Erschießungen von Partisanen und Geiseln und noch viel weniger von Erschießungen von Frauen und Kindern. Oradour und Lidice waren als Massaker bekannt, aber sie schienen die Ausnahme zu sein.
Erst viel später habe ich im Zusammenhang mit meiner dienstlichen Tätigkeit erfahren, wie viele Verbrechen von SS und Wehrmacht auch in Italien und vor allem in Griechenland begangen worden sind. Und obwohl ich mit Bundespräsident Rau in Marzabotto und in Kalavrita war, und obwohl das auch durch die deutsche Presse ging, sind diese Kriegsverbrechen der deutschen Bevölkerung weitgehend unbekannt.
Umso wichtiger ist es, dass heute junge Deutsche dabei sind, wenn wir der Opfer von Mousiotitsa gedenken, der Frauen und der Kinder, die jünger waren, als die deutschen Gäste.
Es ist nicht wichtig, um ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen. Sie trifft ja keine persönliche Schuld. Es ist aber wichtig, um ihnen deutlich zu machen, wohin diktatorische Regime, wohin Missachtung der Menschenrechte und wohin Kriege und die häufig mit ihnen einhergehende Verrohung führen können. Wir Deutsche haben allen Grund, uns – wo immer wir das können – dafür zu engagieren, dass Krieg, Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen aufhören.
Und vor allem ist unsere Anwesenheit, die Anwesenheit von uns Deutschen, heute hier wichtig, um Ihnen, den Nachkommen der Opfer von Mousiotitsa, zu zeigen, dass wir mit Ihnen trauern, dass wir die Vergangenheit nicht zu beschönigen versuchen und dass wir bemüht sind, die Lehren aus ihr zu ziehen.
Wenn junge Menschen das tun, dann wird es uns gelingen, ein friedliches Europa zu bauen, in dem wir frei von Angst und Not glücklich leben können.
Ich danke Ihnen.