Artikel von Botschafter Dr. Albert Spiegel zum 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) für die Athener Zeitung

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Liebe Leserinnen und Leser der Athener Zeitung,

in diesem Jahr feiern wir den 13. Jahrestag der Deutschen Einheit. Mit dem Fall der Berliner Mauer zwei Jahre zuvor konnten endlich wieder die Menschen, die 50 Jahre zuvor durch das Ende des Zweiten Weltkrieges auseinander gerissen worden waren, wieder zusammenkommen.

Für alle, die den 9. November 1989 miterlebt haben, sind die Szenen, die sich an der Berliner Mauer und an den innereuropäischen Grenzen abgespielt haben, unvergesslich – Menschen fielen sich in die Arme; die gesamte Nation durchlebte eine Nacht im Freudentaumel, eine Nacht, die Europa und die Welt veränderte.

Sicherlich haben wir in Deutschland auch heute, 15 Jahre nach dem Mauerfall, die Lebensverhältnisse in Ost und West noch nicht vollständig angleichen können, so sehr wir dies auch anstreben. Das bleibt die Grundlinie der Politik der Bundesregierung, die auf dem eingeschlagenen Weg der Reformen konsequent fortgesetzt werden wird. Um so mehr sollten wir diesen 3. Oktober auch zum Anlass nehmen, diese ursprüngliche Stimmung des Aufbruchs und der Begeisterung in uns wach zu halten und in praktische Politik umzusetzen.

Grund genug dazu haben wir: 17 Millionen Deutsche sind seither vom Joch der Diktatur befreit und leben in einem System des Rechts und der Demokratie. Auch der durchschnittliche Lebensstandard ist allen Unkenrufen zum Trotz seitdem erheblich gestiegen. Schließlich war der Mauerfall nicht nur eine innerdeutsche Angelegenheit, er war auch die Initialzündung für das Zusammenwachsen Europas: Ein Prozess des Zusammenwachsens, der Verbundenheit und Zusammengehörigkeit wurde in ganz Europa angestoßen, der mit dem Beitritt der osteuropäischen Staaten sowie Zyperns und Maltas im Mai diesen Jahres seinen Höhepunkt erreichte. Die Beitrittsverträge waren im Jahr zuvor unter der erfolgreichen griechischen EU-Präsidentschaft am Fuße der Akropolis unterzeichnet worden.

Nicht nur zur Zusammengehörigkeit Europas, sondern auch der gesamten Welt hat Griechenland mit der erfolgreichen Ausrichtung der Olympischen Spiele und der Paralympics einen wichtigen und schönen Beitrag geleistet. Es hat der Weltöffentlichkeit bewiesen, dass es imstande ist, die bislang größte globale sportliche Großveranstaltung -  11.000 Athleten aus 202 teilnehmenden Ländern - mit Bravour auszurichten. Dabei waren die Anforderungen - insbesondere an die Sicherheit - bei diesen ersten Spielen seit dem 11. September erheblich gestiegen. Dennoch, und auch dies gehört zum Erfolg der Spiele, wirkten die Sicherheitsmaßnahmen eher im Hintergrund und wurden zu keinem Zeitpunkt als erdrückend empfunden. In einer Zeit des immer brutaleren Terrorismus ist dies eine beachtliche Leistung.

An dem großartigen Fest der Spiele, des sportlichen Wettbewerbs und der friedlichen Begegnung nahmen die Deutschen mit großer Begeisterung teil; in den Stadien wurden die griechischen und deutschen Fahnen Seite an Seite geschwenkt. Keine Nation war zahlreicher angereist als die deutsche mit 80.000 Besuchern und 4.800 Freiwilligen. Bundespräsident Köhler besuchte sowohl die Olympischen als auch die Paralympischen Spiele; Bundeskanzler Schröder besuchte als einziger ausländischer Regierungschef die Paralympischen Spiele. Auch kulturell waren wir mit Auftritten des Leipziger Gewandhausorchesters und der Berliner Philharmoniker prominent vertreten. Auch für die Botschaft, die in dieser Zeit vor allem mit der Betreuung der Olympia- und Paralympicsbesucher sowie der zahlreichen hochrangigen Gäste befasst war, ging mit dem Ende der Spiele eine intensive und arbeitsreiche, aber auch spannende Zeit zu Ende.

Die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spielen war den Griechen eine Herzensangelegenheit. Es ist daher auch verständlich, dass die griechische Regierung keine Kosten gescheut hat, besonders schöne und erfolgreiche Olympische Spiele zu realisieren. Die wunderschönen Eröffnungs- und Schlussfeiern beider Veranstaltungen werden wir so bald nicht vergessen. Das war wirklich manchmal wie im Traum, wie schon der Präsident des IOC, Herr Rogge, gesagt hat.

Langfristig wird Griechenland und besonders Athen - dies haben die Erfahrungen von Barcelona und anderen Olympiastätten deutlich gezeigt - von den Spielen profitieren. Die Verbesserungen sind für die Bürger schon jetzt spürbar, vor allem in der Verkehrsinfrastruktur oder in der Zugänglichkeit der Stadt für Menschen mit Behinderungen. Für Griechenland gilt es nun, das enorme Interesse und die Sympathie, die man sich weltweit mit der Ausrichtung der Spiele erworben hat, noch stärker in die Werbung von Auslandsinvestitionen und Touristen zu fokussieren. Deutschland wird auch als Griechenlands bedeutendster Wirtschaftspartner weiterhin verlässlich an Griechenlands Seite stehen. Große Firmen wie Siemens, BMW oder Mercedes bauen Ihre Präsenz aus, in den Handelsbeziehungen ist Deutschland weiterhin die Nr. 1. Mit fast zwei Millionen Touristen, die jedes Jahr das sonnige Griechenland besuchen, liegt Deutschland weiterhin auf Platz 2.

3. Oktober 2004, 13. Jahrestag der Deutschen Einheit Bild vergrößern 3. Oktober 2004, 13. Jahrestag der Deutschen Einheit
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