Rede von Botschafter Dr. Wolfgang Schultheiss anläßlich der Eröffnung des Symposiums „Europa Perspektiven“ im Alten Parlament
Frau Parlamentspräsidentin!
Frau Ministerin!
Herr Staatsminister!
Liebe Kollegen!
Meine Damen und Herren!
Es ist mir eine große Freude, mit Ihnen das Symposium „EuropaPerspektiven“ zu eröffnen. Es behandelt Grundfragen, mit denen wir Europäer uns konfrontiert sehen. Wie soll es mit Europa weitergehen? Woher bezieht Europa seine Identität? Das spielt nicht nur bei der Frage der Erweiterung. sondern auch bei der Frage der inneren Verfasstheit eine große Rolle.
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Eröffnung des Symposiums „Europa Perspektiven“ im Alten Parlament
Als Vertreter der EU-Ratspräsidentschaft bin ich natürlich besonders glücklich, daß dieses Symposium zustandegekommen ist. Als mir mein Vertreter im Herbst letzten Jahres dieses Projekt präsentierte, war ich einerseits begeistert, fragte mich aber auch, ob die Botschaft das überhaupt bewältigen könne. Mit Ihrer Bereitschaft, verehrte Frau Parlamentspräsidentin, zusammen mit dem deutschen Bundestagspräsidenten die Schirmherrschaft über die Veranstaltung zu übernehmen und Ihrer Stiftung „Demokratie und Parlamentarismus“ die Organisation zu übertragen, haben Sie mir diese Sorge genommen. Wir haben einen Partner erhalten, mit dem wir besonders herzlich und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Dafür danke ich Ihnen, Frau Präsidentin, und dafür gilt auch Ihnen, Herr Professor Chrysos, ganz persönlich mein herzlicher Dank.
Und wenn ich mich noch zu Beginn des Jahres sorgenvoll fragte, wie wir den deutschen Anteil wohl finanzieren, wurde mir durch die Großzügigkeit der Firma Siemens und der Deutschen Bank auch diese Sorge genommen. Glücklich der Botschafter , der so unterstützt wird.
Ein Symposium „EuropaPerspektiven“ in Athen, das hat schon seinen Sinn. Geographische Randlage bedeutet nicht, daß man zur Peripherie gehört. Und Griechenland kann wahrlich – und ist dazu entschlossen – viel zur Diskussion über die Zukunft Europas beitragen. Steht es doch für die grundlegenden demokratischen Werte und Prinzipien, auf denen die EU aufbaut und die im Verfassungsvertrag noch einmal bestätigt werden sollen. Daher ist das Engagement der beiden Parlamente, des griechischen und des deutschen, auch so wichtig.
Was griechische Philosophen und Staatsdenker uns überliefert haben, ist sicher einer der wichtigsten Bausteine der europäischen Identität. Die Frage, ob das gesamte kulturelle Erbe des Christentums zu dieser Identität gehört, im Sinn des christlichen Abendlands also, scheint mir zunächst einmal durch den Kandidatenstatus der Türkei entschieden: es gehört dazu, ist aber keine conditio sine qua non für einen Beitritt zur EU. Entscheidend ist die Akzeptanz der Werte.
Dasselbe scheint mir für das Gedankengut der Aufklärung zu gelten. Für viele ist sie ein identitätsstiftendes Merkmal Europas. Doch braucht man diese geschichtliche Periode nicht mitgeprägt zu haben, um ein genuiner und erfolgreicher Mitgliedsstaat der EU zu sein; Griechenland selbst ist hierfür ein schlagendes Beispiel. Ich bin gespannt, was wir morgen zu dem Thema hören werden.
Den Teilnehmern am Essay-Wettbewerb, der im Zusammenhang mit dem Symposium stattfindet, kann ich die Frage der europäischen Identität nur als faszinierendes und keineswegs abschließend behandeltes Thema ans Herz legen. Hier können Sie sich noch Sporen verdienen, und die Frage wird Ihnen auch lange erhalten bleiben. So leicht ist sie nicht zu lösen. Als Griechen haben Sie es aber vielleicht etwas leichter. Friedrich Schlegel schrieb 1810: „… Es gibt einen unsichtbaren Staat, das ist derjenige, welcher alle übrigen Staaten umfasst: die europäische Eidgenossenschaft. Sie ist eine Eidgenossenschaft der Bilder der Kunst und Kultur, die im alten Griechenland wurzelt.“
Ich wünsche uns eine erfolgreiche und anregende Veranstaltung.