Grußwort von Botschafter Dr. Wolfgang Schultheiss am Europäischen Tag der Sprachen im Rahmen der Tagung von ALTE zum Thema: „Qualitätssicherung und internationale Standards – Sprachenzertifikate für ein multilinguales Europa“
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Europäischer Tag der Sprachen
Ich danke für die Einladung, heute zu Ihnen zu sprechen. Denn ich bin ein Sprachenfan. Mit Frustrationen. Am Arabischen bin ich gescheitert, Griechisch treibt mich zur Verzweiflung. Trotzdem ist die Anziehungskraft der Fremdsprachen für ungebrochen, der eine persönliche Beziehung zu einem Land aufbauen will. Wie soll ich mir das Land und seine Menschen sonst erschließen, wenn nicht über die Sprache? Dabei kommt es weniger auf die Vielzahl erlernter Sprachen, als vielmehr auf die Qualität und das Verständnis des angeeigneten sprachlichen Wissens an. Sprachenzertifikate und der europäische Referenzrahmen sind hier ganz wesentliche Instrumente. Und damit wäre ich beim Thema.
Ich freue mich darüber, dass die Initiative für die heutige Tagung von den Kulturinstituten hier vor Ort ausgegangen ist, die Sprachprüfungen abnehmen und deren Botschafter heute im historischen „Zappeion“ auch vertreten sind. Das ist ein gutes Beispiel für die Bereitschaft, sich europäisch zu vernetzen und gemeinsam zu handeln.
Griechenland eignet sich dabei vorzüglich für eine solche Veranstaltung europäischen Zuschnitts. Schließlich sind die jungen Griechinnen und Griechen im europäischen Vergleich ganz vorne dabei, was die Sprachkompetenz angeht. Sie vertrauen dabei ganz wesentlich auf die Qualität der Prüfungen, die von den ALTE-Mitgliedern angeboten werden.
Mehrsprachigkeit ist eines der wichtigsten Instrumente für den Austausch von Kulturen sowie für eine effektive Verständigung in der internationalen Politik und in der globalisierten Wirtschaft. Auf einem Wirtschaftskolloquium würde ich noch hinzufügen: Ganz besonders auf dem europäischen Arbeitsmarkt ist eine fundierte Qualifikation in einer oder mehreren Sprachen von höchster Bedeutung.
Das Ziel der deutschen Regierung ist es, Mehrsprachigkeit in Europa zu sichern. Denn Sprachenvielfalt gehört zu unserem Europa, trotz der Einheitswährung Euro und der lingua franca Englisch. Natürlich kann man sich fragen, was für einen Sinn diese Sprachenvielfalt macht, wenn sich alle auf Englisch verständigen könnten. Eine Utopie schon aus praktischen Gründen, aber auch welche kulturelle Verarmung! Die Vielfalt der Sprachen und Kulturen macht den Reichtum Europas und seine Identität aus. Sie entspricht auch dem Bedürfnis der Menschen. Also: Fremdsprachen werden uns in Europa noch eine Weile begleiten. Gut auch für ALTE.
Wer die Sprachenpluralität erhalten möchte, sollte zugleich seine eigene Sprache nicht vernachlässigen. Eine Simplifizierung der Sprache zur leichteren Erlernbarkeit halte ich daher für falsch.
Damit komme ich zur Rolle der deutschen Sprache. Leonardo di Caprio spricht sie, Sandra Bullock lernt sie und Michael Douglas hat, wie ich dem Internet entnehme, seine erste Liebeserklärung in ihr gemacht. Kein Wunder, daß sie sich hier in Griechenland ein enges Rennen mit Französisch um den Platz der zweiten Fremdsprache in den Schulen liefert. Wenige mögen wissen, daß Deutsch in der EU die die größte Zahl an Muttersprachlern (und zwar rund 92 Millionen Menschen) und die zweitgrößte Gesamtsprecherzahl, also Mutter- und Fremdsprachler zusammengenommen, aufweist. Deutsch ist keine ganz leicht zu erlernende Sprache, aber eine Sprache mit Zukunft, was auch mit unserer geographischen Lage im Herzen Europas und unserer wirtschaftlichen Kraft zu tun hat.
Mit Griechenland ist Deutschland in vielerlei Hinsicht und durch manche Affinität verbunden, maßgeblich auch durch die hervorragenden Deutschkenntnisse vieler Griechen. Griechen sind auch immer schon besonders mobil gewesen, was sich an der großen Zahl der Griechen zeigt, die längere oder kürzere Zeit im Ausland gelebt und sich dort besonders gut integriert haben.
ALTE stellt eines der wichtigsten Bindeglieder zwischen den 26 Sprachen der Europäischen Union dar. Ein gewisses Maß an Einheitlichkeit bei Sprachprüfungen und natürlich beim Lernniveau ist wichtige Voraussetzung für die Nutzung von Fremdsprachen in Europa.
Die hohe Zahl an Prüflingen hier in Griechenland macht das Vertrauen der griechischen Sprachlerner in die von ALTE angebotenen Prüfungen deutlich . Dadurch schafft ALTE auch Motivation, Fremdsprachen zu erlernen, mit deren Sprachprüfung dann im europäischen Berufsleben und im Wissenschaftsbereich leichter Fuß gefaßt werden kann.
Ich wünsche der heutigen Konferenz einen guten Verlauf. Den Organisatoren danke ich sehr für ihr Engagement. Ein Ziel des heutigen „Tages der Sprache“ ist, wie ich gelesen habe, das lebenslange Lernen. Diese Herausforderung plagt mich schon seit Jahren. Es wird im Alter nicht leichter, aber es macht nach wie vor Spaß.
Website: www.alte.org/further_info/athens.php