Rede von Botschafter Dr. Wolfgang Schultheiss und Generalkonsul Herrn Norbert Nadolski anläßlich der Eröffnung der Ausstellung „Griechische Künstler in der Münchner Akademie im 19. und 20. Jahrhundert“ im Telloglion, Thessaloniki
Bild vergrößern
"Greek Artists at the Academy of Munich, 19th - 20th century"
Rede von Botschafter Dr. Wolfgang Schultheiss
Ich freue mich sehr, die Ausstellung „Griechische Künstler in der Münchner Akademie im 19. und 20. Jahrhundert“ mitzueröffnen. Als gebürtiger Bayer, der nicht weit von München das Licht der Welt erblickte, fühle ich mich dieser Thematik besonders verbunden. Aber auch, weil es in meiner Familie eine Reihe von Hobbymalern gab – ich gehöre leider nicht dazu – bei denen ich mich manchmal frage, ob sie den einen oder anderen Griechen gekannt haben mögen.
Als Botschafter bin ich zudem von Amts wegen stolz auf die Bayern. König Ottos Beitrag zur Entwicklung des jungen Griechenland, auch die philhellenische Begleitung seines Vaters, waren prägend für den jungen Staat. Die damals begründete Beziehung zwischen unseren Ländern und Völkern hat sich trotz zweier Weltkriege und der bösen Erfahrung der Besatzungszeit als haltbar erwiesen. Es war ja nicht nur die Malerei – es gab die Architektur, es gab praktisch das gemeinsame Bürgerliche Recht und darauf aufbauend der lebhafte akademische Austausch, es gab bereits früh das Deutsche Archäologische Institut in Athen unter dem Direktor Dörpfeld, es gibt seit mehr als 100 Jahren die Deutschen Schulen in Thessaloniki und Athen.
Diese frühe kulturelle Verbindung, die wir pflegen und fortsetzen, ist eine verlässliche Grundlage unserer Freundschaft. Sie wurde verstärkt und neu belebt durch die vielen Griechen, die seit den fünfziger Jahren bei uns gelebt, gearbeitet, studiert und auch politische Zuflucht gefunden haben und von denen sie viele nach ihrer Rückkehr gerade hier in Nordgriechenland niedergelassen haben.
Die Europäische Union, der Griechenland nun seit 25 Jahren angehört, hat das Ihre getan, um uns auch politisch und wirtschaftlich enger zusammenzuführen. Wir fühlen nicht mehr philhellenisch oder germanophil, sondern gemeinsam als Europäer, ohne dabei unsere Wurzeln zu vergessen oder zu vernachlässigen. Unsere beiden Länder treten für eine weitere Vertiefung der EU ein und zeigen das auch im politischen Tagesgeschäft. Wir ziehen an einem Strang.
Am Anfang dieses Prozesses stand der Philhellenismus, der sich an der Begeisterung für antike Kunst und für griechische Philosophie und ihre Werte entzündete, die Eingang in den europäischen Wertekanon gefunden haben.
So führt diese Ausstellung, wenn auch auf unterbrochenen Pfaden, zu dem europäischen Zusammengehörigkeitsgefühl, das unsere Menschen heute empfinden.
Bild vergrößern
Lempesis Polychronis,"Girl with pigeons" Gallery E. Averof and George Iakovides,"Child concert" National Gallery - Alexander Soutzos Museum
Rede von Generalkosul Herrn Norbert Nadolski
Für mich ist die Eröffnung der Ausstellung zur Münchener Schule ein besonderes Ereignis in meiner beruflichen Laufbahn von über 25 Jahren. Das Projekt ist langsam gewachsen, es ist das Produkt von Freundschaften, intensiven Gesprächen in einer Atmosphäre grosser Zuneigung zu griechischer und deutscher Kultur. Die Freude über den erfolgreichen Weg zur Austellung erweckt in mir tiefe Dankbarkeit: den Koorganisatoren, den Mitwirkenden und den Sponsoren gegenüber. All deren Namen finden Sie im Katalog.
Deutschland und Griechenland sind Kernländer der Europäischen Union. Sie sind sich bewußt, daß nur eine integrierte Aussenprojektion die dynamische Vielfalt europäischer Kultur in Zukunft bewahren und entwickeln kann. Das gemeinsame Handeln nach aussen setzt aber ein teilidentisches Bewußtsein über unsere historischen, vor allem auch kulturellen Wurzeln voraus. Es wäre schön, wenn die Ausstellung dazu etwas beitragen könnte.
Beim Schlendern durch die Ausstellung wird Ihnen die Vielfalt der Stile und Motive auffallen. Ich habe eine gewisse Vorliebe für die Menschen: den Fischer, den Mönch, die Kinder im Konzert. Es sind zwar Gesichter vor der der Epoche des Fernsehens, Gesichter einer anderen Zeit, aber sie sind uns in ihrem Ausdruck trotzdem so ähnlich, daß sie die intime Verknüpfung der Generationen in Europa durch die Jahrhunderte widerspiegeln.
Viel Spaß beim Gang durch die Ausstellung!
Website: http://web.auth.gr/teloglion/