Grußbotschaft zur Gedenkfeier für die Opfer des Holocaust der jüdischen Gemeinde von Thessaloniki am 25. Januar 2009

Bild vergrößern Günter Gloser, Staatsminister für Europa

Mit Trauer und Beklommenheit gedenken wir heute des grausamen Schicksals, das Millionen von Juden in Europa durch das nationalsozialistische Deutschland erlitten haben. Auch Griechenland wurde nicht verschont.

Das Schicksal der jüdischen Gemeinde von Thessaloniki war besonders tragisch. Über viele Jahrhunderte war sie eine der traditionsreichsten und blühendsten jüdischen Gemeinden Europas. Bis Anfang des letzten Jahrhunderts stellte sie die stärkste Bevölkerungsgruppe in Thessaloniki.

Dieses Gemeindeleben wurde durch den Holocaust auf barbarische Weise zerstört. Fast alle der fast 50.000 Angehörigen der jüdischen Gemeinde sind ihm zum Opfer gefallen. Sie wurden unerbittlich verfolgt, zur Zwangsarbeit gezwungen, getäuscht und schließlich nach Auschwitz deportiert und dort erbarmungslos ermordet.

Ihr Schicksal bleibt uns Mahnung. Deutschland entzieht sich seiner Verantwortung für den Holocaust nicht und stellt sich seiner Vergangenheit. Das sind nicht bloß Worte. Deutschland hat sich seit der Zeit des Nationalsozialismus grundlegend gewandelt. Das Recht auf Freiheit, körperliche Unversehrtheit und Glaubensfreiheit sind - wie die Ächtung des Krieges - in das Grundgesetz aufgenommen und von der Nachkriegsgeneration verinnerlicht worden. Wir fühlen uns Europa und seinen Werten zutiefst verpflichtet; durch die europäische Einigung sind wir wieder in den Kreis gleichberechtigter europäischer Staaten aufgenommen worden. Seitdem arbeiten wir leidenschaftlich für die europäische Integration und den Schutz der Menschenrechte weltweit.

Ich wende mich heute an Sie als Vertreter eines neuen, verantwortungsbewußten Deutschland. Es hat in 60 Jahren durch Wort und Tat gezeigt, dass es für eine friedliche und gerechte Weltordnung steht, dass es die Erinnerung an die Vergangenheit bewahren und auf diesem Fundament eine gemeinsame Zukunft bauen will. Das will ich Ihnen heute noch einmal versichern.

Die Bundesregierung verneigt sich vor den Opfern des Holocaust. Ich wünsche der jüdischen Gemeinde Thessalonikis alles Gute und eine glückliche Zukunft.