Grußwort des Botschafters Dr. Wolgang Schultheiss anlässlich der Abschlussfeier der Schulabgänger des griechischen Zweiges der Deutschen Schule Athen

Botschafter Dr. Wolfgang Schultheiss Bild vergrößern Botschafter Dr. Wolfgang Schultheiss

Sehr geehrter Herr Oberstudiendirektor Voß,

sehr geehrte Frau Graf-Drimaropoulos (Vorsitzende des Schulvorstandes),

sehr geehrte Frau Papoutsani-Katsaraki (Vorsitzende des Vereins der „Ehemaligen“)

sehr geehrter Herr Skandalis (Vorsitzender des griech. Elternvereins),

sehr geehrte Eltern,

und ganz besonders: liebe Absolventinnen und Absolventen!

 

Zunächst gratuliere ich Ihnen, liebe Absolventen des griechischen Zweigs, zum bestandenen Examen. Und ich gratuliere auch Ihren Eltern, die mit Ihnen gezittert und sich gefreut haben. Denn das alles ist ja nicht ohne harte Arbeit abgegangen, und Sie werden froh sein, es geschafft zu haben.

Ich bin erst seit 3 Wochen Botschafter hier in Griechenland, und habe mir natürlich gleich in der letzten Woche die Deutsche Schule angeschaut. Ich muß sagen: ich war sehr beeindruckt. Der gesamte Bau, die Sport- und Schwimmanlagen, der Computerraum, der Chemieraum und anderes mehr haben mir sehr gut gefallen, und ich habe mir gesagt: hier muß man eigentlich gerne zur Schule gehen. Denn ich bin selbst auch ganz gerne zur Schule gegangen, wenn ich mal so lästige Dinge wie Hausaufgaben beiseite lasse.

Aber dann habe ich mir sagen lassen, wieviele Wochenstunden Sie arbeiten müsst. So viele, daß es schwierig wird, noch so interessante Arbeitsgemeinschaften wie Theater, Sport und

Musik zu besuchen. Und das wäre ja enorm schade. Ich selbst war 9 Jahre lang im Gymnasium im Turnverein und war ganz begeistert: nicht nur, daß man was für seine schlaffen Muskeln getan hat, es gab Wettkämpfe und Erlebnisse, von denen man noch viele Jahre zehrt.

Ihr Wochenstundenplan war also eine ganz schöne Belastung,. Aber was haben Sie nicht alles dafür bekommen: die perfekte Beherrschung einer zusätzlichen Fremdsprache und die Vertrautheit mit einer anderen Kultur. Das  ist heute, im zusammenwachsenden Europa, noch viel wichtiger als früher.

Sie haben einen ganz entscheidenden Startvorteil für das Berufsleben vor Ihren Altersgenossen, die nicht auf eine zweisprachige Schule gehen. Kurz: Ihre Mühen – und nun sind sie ja auch noch überstanden! – haben sich ausgezahlt. Sie haben die besten Chancen. Deswegen würde ich auch davor warmen, von diesen strengen Anforderungen Abstriche zu machen. Seien Sie anspruchsvoll, auch wenn es momentan mit Mühen verbunden ist. Es zahlt sich aus!

Die hohen Anforderungen sagen natürlich auch etwas über die Qualität der Schule. Solchen Herausforderungen stellen sich nur die Besten. Gute Schüler und hohe Anforderungen bringen gute Resultate.

Der beste Beweis dafür ist, daß die Deutsche Schule in Athen bei den panhelladischen Prüfungen nicht nur überdurchschnittlich erfolgreich abgeschnitten, sondern in diesem Jahr auch den besten Teilnehmer gestellt hat.

Ich gratuliere Ihnen, Konstantinos Rátos, ganz herzlich.

Ihnen stehen nun alle Wege offen, und ich kann Sie nur dazu ermuntern, alle Ihre Möglichkeiten zu nutzen. Mit Ihrem Abschluss haben Sie die Auswahl unter verschiedenen Hochschulen in Griechenland und in Deutschland, und es würde mich sehr freuen, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten und wenn Ihre Entscheidung zugunsten einer deutschen Universität ausfiele. Die guten Bildungsbeziehungen zwischen unseren beiden Ländern haben

schließlich eine sehr lange Tradition, mit Sicherheit auch in vielen Ihrer Familien.

Deutschland ist ein lebendiges, ein interessantes und modernes Land und damit gerade auch für junge Leute aus  Griechenland attraktiv. Es ist ein in vieler Hinsicht gewichtiges Land in der Mitte der Europäischen Union. Ein Land mit großem Reformbedarf, aber auch ein Land mit großem Potential. Wir erleben gerade, wie sich eine Regierung zu etablieren versucht, die auf diese Herausforderungen antworten muß. Ein Land mit reicher und vielfältiger Kultur und mit einem lebhaften Kulturleben. Ein Land mit ganz unterschiedlichen Regionen. In wenigen Tagen feiern wir 15 Jahre deutsche Einheit. In Deutschland können Sie erleben, was für ein schwieriger Prozess es auch beim besten Willen aller Beteiligten ist, ein Land mental, wirtschaftlich und auch in der politischen Kultur zusammenzuführen.

Natürlich sind München, Heidelberg, Hamburg und vor allem auch Berlin großartige Studienstandorte. Ich empfehle Ihnen aber auch zu erwägen, ob Sie nicht eine Universität in den neuen Bundesländern, also in Ostdeutschland besuchen wollen. Auch sie sind sehr gut und sie sind weniger überlaufen. Sie lernen dort viel über das moderne Deutschland. Als ich vor 5 Jahren nach Berlin gezogen bin, bin ich in den Ostteil der Stadt gezogen, um Ostdeutschland besser „erfühlen“ zu können, und mein jüngster Sohn hat dort auch die letzten 2 Jahre des Gymnasiums besucht. Das hat ihm nicht geschadet – im Gegenteil.

Nicht ohne Grund nehmen also Jahr für Jahr viele Griechinnen und Griechen die Möglichkeit wahr, an den deutschen Universitäten zu studieren. So sind im Augenblick etwa 7000 griechische Studenten an deutschen Hochschulen eingeschrieben und nutzen so die Chance nutzen, am wissenschaftlichen Fortschritt Deutschlands teilzuhaben und die sich Beschäftigungsoptionen auch und gerade in Griechenland schaffen.

Ganz besonders wünsche ich mir abschließend, daß Sie, liebe Absolventen, Ihre Bindungen an Deutschland  nicht verlieren. Eine Möglichkeit wäre die Mitarbeit im Kreis der Ehemaligen dieser Schule. Mit Ihren Sprachkenntnissen sind sie natürlich auch dafür prädestiniert, im deutsch-griechischen Wirtschafts- oder Kulturbereich tätig zu werden.

Sie alle sind durch Ihre Schulzeit an der Deutschen Schule Athen zu wichtigen Multiplikatoren und Trägern der deutsch-griechischen Beziehungen geworden. Ich würde mich freuen, wenn Sie dies auch in Zukunft im Kopf und im Herzen behielten.

Ich gratuliere Ihnen und Ihren Familien noch einmal herzlich zu den erbrachten Leistungen und wünsche Ihnen viel Erfolg auf Ihrem weiteren Lebensweg.

Grußwort des Botschafters Dr. Wolgang Schultheiss anlässlich der Abschlussfeier der Schulabgänger des griechischen Zweiges der Deutschen Schule Athen