Grußwort von Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier zur Gedenkfeier an die Opfer des Holocaust in der jüdischen Gemeinde Thessaloniki

Der Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier Bild vergrößern Der Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier

Fast 50.000 Jüdinnen und Juden aus Thessaloniki sind dem Holocaust zum Opfer gefallen. Männer, Frauen und Kinder wurden gnadenlos ihrer Rechte und ihres Eigentums beraubt, unerbittlich verfolgt, zu Zwangsarbeit gezwungen, nach Auschwitz deportiert und schließlich dort brutal ermordet. Das blühende jüdische Leben in Thessaloniki, einer der ältesten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden außerhalb Israels, wurde durch den Holocaust fast vollständig ausgelöscht.

In tiefer Trauer gedenken wir heute des grausamen Schicksals der jüdischen Familien von Thessaloniki und der zahllosen anderen Opfer des Holocaust, deren Leben und deren Zukunft vom nationalsozialistischen Regime so erbarmungslos vernichtet wurde. Sie alle dürfen wir nie vergessen.

Bis heute ist uns die Erinnerung an das barbarische Verbrechen des Holocaust Mahnung und Verpflichtung zugleich. Der Holocaust wird für immer unauslöschlicher Teil der Geschichte unseres Landes sein. Der daraus erwachsenden Verantwortung wird sich auch die neue Bundesregierung niemals entziehen.

Das bedeutet, dass wir Antisemitismus, Rassismus und Ausgrenzung wehren werden, wo immer sie uns begegnen. Auch in Zukunft werden wir jeden Versuch, den Holocaust zu leugnen oder zu relativieren, in aller Deutlichkeit zurückweisen und allen Bestrebungen, das Existenzrecht Israels in Frage zu stellen, entschieden entgegentreten. Das ist Teil unserer besonderer Verantwortung für Israel, aber auch für alle jüdischen Gemeinden in der Welt. Wir nehmen sie sehr ernst.

Die ermordeten Juden von Thessaloniki mahnen uns auch, die Erinnerung an die Vergangenheit wachzuhalten und an die kommenden Generationen weiterzugeben. Deutschland hat sich deshalb nachdrücklich dafür eingesetzt, den 27. Januar als Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz zum Internationalen Holocaustgedenktag zu erklären. Dass die Generalversammlung der Vereinten Nationen dies im vergangenen November im Konsens beschlossen hat, unterstreicht, dass das Gedenken an den Holocaust und die Lehren daraus universelle Verpflichtung sind. Wir werden alles dafür tun, dass die internationale Gemeinschaft dieser Verpflichtung gerecht wird.

Grußwort von Bundesaußenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier zur Gedenkfeier an die Opfer des Holocaust in der jüdischen Gemeinde Thessaloniki