Interview mit Werner Wnendt: Die deutschgriechischen Beziehungen haben eine solide Basis

Bild vergrößern Anlässlich seines kürzlichen Besuchs in Athen hat der Abteilungsleiter für Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt, Werner Wnendt, den Mitgliedern der ENAT, Stavros Stathoulopoulos und Sotiris Krystallis ein Interview gewährt.

1. In welcher Weise hat die deutsche EU-Politik des letzten Jahres das Deutschlandbild Ihrer Meinung nach im Ausland beeinflusst?

Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat der EU ungewöhnlich schwierige Entscheidungen für die Stabilität der Eurozone als Ganze abverlangt. So hat der Europäische Rat am 24./25. März 2011 langfristige Maßnahmen zum Schutz der Eurozone und zur Bekämpfung der Krisenursachen beschlossen. Mit diesem Gesamtpaket ist die Grundlage gelegt worden für eine dauerhafte Stabilisierung des Euro, eine nachhaltige Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und eine echte wirtschaftspolitische Koordinierung innerhalb der Eurozone. Deutschland hat sich an diesen Lösungsansätzen maßgeblich beteiligt und damit sein uneingeschränktes Bekenntnis zur europäischen Integration unter Beweis gestellt.

2. Gibt es Bestrebungen das Deutschlandbild im Ausland zu verändern, bzw. sind Sie der Meinung, dass es diesbezüglich Kurskorrekturen in der bisherigen Diplomatie geben sollte? Wenn ja, welche Richtung wird angestrebt und welche Instrumente der „Public Diplomacy“ sollen eingesetzt werden?

Für uns ist es ein wichtiges Anliegen, dass Deutschland im Ausland als modernes und weltoffenes Land wahrgenommen wird, das bereit ist, international Verantwortung zu übernehmen. Innerhalb der EU werben wir insbesondere auch um Akzeptanz für unsere europapolitischen Positionen. Wir setzen uns gemeinsam mit den europäischen Partnern ein für die Stärkung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes, die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und damit für die Stabilität des Euro als unserer gemeinsamen Währung. Diesen Ansatz sollten wir weiterverfolgen und intensivieren.

Public Diplomacy umfasst heute die unterschiedlichsten Instrumente der Kommunikation, beginnend mit öffentlichen Auftritten von Politikern und Regierungsvertretern im Ausland über die Gestaltung der Internetseiten unserer Ministerien und Auslandsvertretungen bis hin zu Facebook- und Twitter-Angeboten. Meiner Meinung nach sind alle diese Instrumente wichtig. Sie müssen aber auf die jeweiligen Zielgruppen abgestimmt werden.

3. Gibt’s es Ihrerseits eine Präferenz bezüglich der wirksamsten Instrumente für die „Public Diplomacy“?

Über einen Namensartikel in einer Zeitung erreichen Sie eine andere Zielgruppe als über einen Facebook-Auftritt. Es gibt also kein wirksamstes Instrument. Entscheidend ist aber natürlich auch immer, welche Inhalte kommuniziert werden sollen. Gerade die häufig komplizierten politischen und ökonomischen Fragestellungen innerhalb der EU erfordern eine ausführliche und kontinuierliche Kommunikation der Regierungen, die sich nicht auf bloße Schlagworte reduzieren sollte.

4. Auch wenn von offizieller Seite nicht von einer Kluft in den Beziehungen zwischen Griechenland und Deutschland gesprochen wird, gibt es zumindest einen wahrnehmbaren Riss in dem traditionell freundschaftlichen Umgang miteinander. Der Grund liegt wahrscheinlich in den beiderseitigen Reaktionen (besonders auf der medialen Ebene) auf die griechische Finanzkrise. Wie könnte man mit Hilfe von „Public Diplomacy“ die aufgetretenen Spannungen auflösen?

Unsere beiden Länder sind eng verbunden; politisch, wirtschaftlich, und auch historisch. Die deutsch-griechischen Beziehungen ruhen daher auf einer soliden Basis. Allerdings stimmt die öffentliche Meinung, die aus meiner Sicht weiterhin in beiden Ländern positiv ist, nicht immer mit der veröffentlichten Meinung überein. Die Medienberichterstattung der letzten Monate wird dem Stand der deutsch-griechischen Beziehungen meines Erachtens nicht gerecht. So hat sich gezeigt, dass wir einen verstärkten Austausch zwischen deutschen und griechischen Journalisten brauchen. Auf diese Weise können Missverständnisse frühzeitig ausgeräumt und die Position des Anderen besser verstanden werden. Wir laden deshalb verstärkt griechische Journalisten nach Deutschland zu einem Mediendialog mit ihren deutschen Kollegen ein, um nur ein Beispiel zu nennen. Auch lädt die Bundesregierung innerhalb ihres Besucherprogramms regelmäßig Vertreter der griechischen Zivilgesellschaft ein, um den Austausch mit Deutschland zu befördern. Wichtig ist, dass die jeweiligen Maßnahmen nachhaltig und nicht nur punktuell angelegt sind.

5. Wie sieht heute das Griechenland-Bild in Deutschland aus?

Das Griechenlandbild ist weiterhin stark geprägt von dem vermittelten Lehrstoff in der Schule über die griechische Antike, sowie deren Dichter und Denker. Viele Deutsche kennen Griechenland natürlich auch von ihren Reisen oder sind über persönliche Kontakte mit der griechischen Kultur in Berührung bekommen. Das fängt bei der griechischen Taverne um die Ecke an und reicht bis zu vielen Freundschaften mit den zahlreichen Griechen, die in Deutschland leben. Auch wenn durch die Finanzkrise in den vergangenen Monaten in Deutschland viel über Griechenland diskutiert wurde, hat sich dieses positive Bild nicht grundlegend geändert.

6. Wo sehen Sie die Stärken Griechenlands? Worauf sollte sich, Ihrer Meinung nach, unsere Medienarbeit fokussieren um die vorhandenen Stärken heraus zu stellen?

Griechische Gastfreundschaft, das mediterrane Klima, die Vielzahl antiker Stätten sowie der unglaubliche Reichtum an landschaftlicher Vielfalt bilden zusammen ein enormes Potential. Deshalb reisen viele Deutsche auch so gerne in Ihr schönes Land. Weniger bekanntallerdings ist, dass Griechenland nicht nur exzellente Agrarprodukte wie Wein oder Olivenöl herstellt – zudem hat die moderne griechische Kulturszene viel zu bieten – ich denke da an die schöne Rembetikamusik oder auch an griechische Filme wie „Zimt und Koriander“ oder „Dogtooth“, der in diesem Jahr für die Oscars nominiert war. Auch dass Griechenland zu den größten Schiffahrtsnationen gehört und einen Großteil des internationalen Handelverkehrs abwickelt, ist nicht vielen geläufig, genausowenig wie das starke Engagement griechischer Unternehmen und Banken in Nachbarländern. Die Medienarbeit sollte sich meiner Meinung nach also – nicht nur, aber verstärkt - auf das moderne Griechenland konzentrieren.