Grußwort des Deutschen Botschafters in Griechenland, Dr. Albert Spiegel, für Broschüre des aktuellen forum NRW zu den Jugendseminaren in Kalavryta 2003
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Botschafter Dr. Albert Spiegel
Das aktuelle forum NRW und der Landesjugendring NRW haben im Jahr 2003 in Kalavryta die beiden bislang wichtigsten deutsch-griechischen Jugendprojekte meiner Amtszeit als deutscher Botschafter in Griechenland durchgeführt: das Handwerkerprojekt im Oktober 2003 sowie das internationale Jugendseminar im Dezember desselben Jahres. Vor dem Hintergrund des entsetzlichen Verbrechens, dass die Wehrmacht dort vor gut 60 Jahren begangen hat - nirgends erschossen die deutschen Besatzer mehr griechische Zivilisten als in Kalavryta - waren diese beiden Projekte in ihrer Bedeutung für die deutsch-griechische Aussöhnung nicht zu unterschätzen. Die vorliegende Broschüre leistet hierzu mit deren Dokumentation einen weiteren, wichtigen Beitrag.
Es ist wichtig, dass wir das Gräuel von Kalavryta - ebenso wie jene in Oradour, Marzabotto, Lidice, Minsk und Warschau und so vielen anderen Orten in Griechenland und in anderen Ländern - niemals vergessen. Genauso wichtig ist es, dass wir gemeinsam für die Zukunft nach Wegen suchen, wie solche Verbrechen gegen die Menschlichkeit verhindert werden können. Dabei meine ich natürlich nicht nur Europa - innerhalb der Europäischen Union, die ab Mai 2004 um zehn weitere Länder bereichert wird, werden Stabilität, Frieden und Schutz der Menschrechte zum Glück immer selbstverständlicher - sondern in vielen anderen Teilen der Welt, wo die Menschen heute noch mehr unter Krieg, Terror und Verfolgung leiden. Es war für mich deshalb ein ermutigendes Zeichen des Friedens, dass deutsche und griechische jugendliche Handwerker im Oktober 2003 gemeinsam den Weg zur Gedenkstätte in Kalavryta verschönert und dass sich im Dezember des Jahres Jugendliche aus den verschiedenen von deutschen Kriegsverbrechen betroffenen Orten zum internationalen Jugendseminar zusammengefunden haben.
Es ist nicht leicht, als Deutscher an einem Ort wie Kalavryta zu kommen und sich mit der schmerzhaften Vergangenheit auseinanderzusetzen. Ich möchte deshalb erneut hervorheben, dass ich besonders stolz auf die Jugendlichen aus Deutschland bin, die diese seelische Belastung aus freien Stücken auf sich genommen haben. Sie stehen für die Wahrhaftigkeit im Umgang mit der deutschen Vergangenheit des Zweiten Weltkriegs. Diese Haltung und dieser Einsatz unserer Jugend lässen mich Stolz empfinden, unser Land als Deutscher Botschafter in Griechenland zu vertreten.
Die Motive der Wahrhaftigkeit und der Versöhnung ziehen sich wie ein roter Faden durch die Projekte des Landesjugendrings NRW und des aktuellen forums NRW. Ich unterstütze deshalb deren Arbeit nachdrücklich und war im Vorfeld der Projekte sofort bereit, mich für die Förderung durch das Auswärtige Amt sowie die gemeinsame Schirmherrschaft von Bundespräsident Rau und Staatspräsident Stefanopoulos einzusetzen. Auch war es mir eine Selbstverständlichkeit, die Seminarteilnehmer persönlich in Kalavryta zu begrüßen.
Den Organisatoren, insbesondere Frau Jutta Richter, Herrn Wonik und Herrn Haselbauer möchte ich nun meinen Glückwunsch und meinen herzlichen Dank für diese beiden ausgezeichneten Projekte aussprechen. Seitens der Stadt Kalavryta, die viel Engagement bei der Ausrichtung des Seminars gezeigt und eine selbst für griechische Verhältnisse außerordentliche Gastfreundschaft bewiesen hat, gilt mein Dank vor allem Bürgermeister Athanasios Papadopoulos und Frau Elena Lambropoulou.
Schließlich möchte ich die Jugendlichen aller Länder zu ihrer hervorragenden Arbeit beglückwünschen. Die Abschlusserklärung, die den Vergleich mit einer VN-Resolution keineswegs zu scheuen braucht, hat die Botschaft unmittelbar nach Abschluss des Seminars durch eine Presseerklärung veröffentlicht. Vielleicht noch wichtiger als jede Abschlusserklärung ist aber, dass aus der gemeinsamen Zeit in Kalavryta möglichst viele Freundschaften zwischen den Jugendlichen unserer Länder erwachsen.
Ich wünsche mir und allen Beteiligten viele weitere Projekte dieser Art und ein ebenso erfolgreiches Folgeseminar in Oradour 2004!
Dr. Albert Spiegel