Portrait des Monats
Willkommen auf der neuen Rubrik „Portrait des Monats“! Hier werden monatlich bemerkenswerte Persönlichkeiten mit besonderer Verknüpfung zu Deutschland und Griechenland präsentiert. Sie wollen auch Gesicht des Monats werden? Dann schreiben Sie uns!
Petros Markaris
Petros Markaris, geboren 1937 in Istanbul, ist Verfasser von Theaterstücken, Schöpfer einer beliebten griechischen Fernsehserie, Co-Autor von Theo Angelopoulos (Regisseur von «Der Bienenzüchter», «Der Blick des Odysseus» etc.) und Übersetzer deutscher Dramatiker wie Brecht und Goethe – zuletzt übertrug er «Faust» I und II in Versform ins Griechische. Mit dem Schreiben von Kriminalromanen begann er erst Mitte der neunziger Jahre. Die Krimis um Kommissar Kostas Charitos mit gesellschaftspolitischem Ansatz sind in Deutschland sehr beliebt und werden oft in einem Atemzug mit Wallander, Montalbano und Brunetti genannt. Petros Makaris hat in Österreich und Deutschland studiert und lebt heute in Athen.
2005 wurde Petros Markaris für das Werk „Live“ mit dem deutschen Krimipreis in der Kategorie international ausgezeichnet. Erst kürzlich , im Dezember 2011, erhielt er für sein Lebenswerk den den Raymond Chandler Award beim italienischen Film- und Literaturfestival Courmayeur Noir in Festival.
Petros Markaris schrieb kürzlich in der Süddeutschen Zeitung:
"Jetzt, in den Zeiten der Krise, merkt man, wie sehr das Verständnis fur die kulturelle Diversität fehlt. Die Griechen hatten in den Zeiten des europäischen Wachstums ein enges Verhältnis zu den Deutschen. Jetzt sind sie empört, weil die Deutschen sie mit Arroganz behandeln.
Und die Deutschen sind ihrerseits gekränkt, weil sie ihre griechischen Freunde in der letzten Zeit so kühl grüßen und auf Distanz gehen. Weil ich seit langen Jahren als eine Art Vermittler zwischen Deutschen und Griechen gelte, bekomme ich das Klagelied von beiden Seiten zu hören.
Sowohl die Deutschen als auch die Griechen haben recht, nur kann man es ihnen schwer erklären, weil auf beiden Seiten das Verständnis für die kulturelle Basis des Anderen fehlt. Das lässt den Raum für Vorurteile und Ressentiments offen. Man irrt sich, wenn man glaubt, dass die Krise in Europa nur eine finanzielle ist. Wir erleben auch eine Krise der europäischen Werte. Die finanzielle Krise hat dazu beigetragen, dass wir sie wahrnehmen können."
(Ausschnitt aus seinem Zeitungsartikel "Die Krise hat das letzte Wort", erschienen am 26.01.2012 in der Süddeutschen Zeitung)