Verleihung des Goldenen Verdienstordens der Stadt Athen an den Bundespräsidenten Horst Köhler

Bürgermeisterin von Athen, Frau Dora Bakogianni bei der Verleihung des Goldenen Verdienstordens der Stadt Athen an den Bundespräsidenten Horst Köhler Bild vergrößern Bürgermeisterin von Athen, Frau Dora Bakogianni bei der Verleihung des Goldenen Verdienstordens der Stadt Athen an den Bundespräsidenten Horst Köhler

Grußadresse der Bürgermeisterin von Athen, Frau Dora Bakogianni, zur Verleihung des Goldenen Verdienstordens der Stadt Athen an den Deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler

 

Hochverehrter Herr Präsident,

es ist mir eine große Freude, Sie heute seitens des gesamten Stadtrats und der Bevölkerung von Athen im Ratshaus der griechischen Hauptstadt willkommen zu heißen.

Die Beziehungen der griechischen Nation mit Deutschland sind schon sehr alt,

Jahrhunderte lang teilten die beiden Nationen die Zepter des neueren westlichen, des alten römischen respektive des östlichen Kaiserreichs. Ihre Herrscher schlossen Bündnisse und eine byzantinische Prinzessin brachte als Gattin Ottos I. die griechische Kultur an dessen Hof.

In den jüngeren Jahren sind die künstlerischen Spuren der Einflüsse von München vor allem in Athen ausgeprägt sichtbar.

Einige seiner herrlichsten klassizistischen Gebäude einschließlich der alten und neuen Paläste wurden von namhaften deutschen Architekten gebaut, die - wie unzählige Ihrer Landsleute über die Jahre hinweg - Griechenland als ihrer zweiten Heimat hingebungsvoll ihre Zuneigung schenkten.

In den deutschen Wissenschaften und Künsten - von Schilter und Goethe bis hin zu Nietzsche und Wagner, um nur wenige der unzähligen deutschen Geister zu nennen, die unserem Lande zugetan waren - wimmelt es nur so von Inspirationen, zu denen Griechenland den Anstoß gab.

Und umgekehrt wirkte auch der deutsche Geist nachhaltig auf die Entwicklung der neugriechischen Philosophie, der Literatur und der Wissenschaften ein. Ähnlich verhielt es sich mit dem Einfluss der großen deutschen Tradition auf die neuere griechische Malerei und den Bereich der Kunstmusik.

 

Herr Präsident,

Sie sind der erste Bürger des größten Landes der Europäischen Union. Gleichzeitig sind Sie jedoch auch ein Bürger Europas, der zahlreiche Länder in den für unseren Kontinent, unser heutiges gemeinsames Heim Europa, misslichsten Verhältnissen kennen lernte.

Sie haben die Leiden des Krieges und der Entwurzelung persönlich erfahren und dieses Ihr Wissen ließ Sie viel später, während Ihrer Amtszeit als Direktor des Internationalen Währungsfonds, dem Problem der Armut und anderen Problemen gegenüber, die noch viele Regionen unseres Planeten geißeln, besonders sensibel werden.

 

Herr Präsident,

Die Stadt Athen ehrt heute einen herausragenden Wissenschaftler, einen ausgezeichneten Politiker und internationalen Technokraten.

Darüber hinaus ehrt sie auch einen Europäer, der - wie ich bereits erwähnte - die Probleme Europas schon seit seiner frühen Jugend selbst auf die unmittelbarste Weise erlebte.

Und sie ehrt in erster Linie den Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, des größten Landes der Europäischen Union, mit dem Griechenland Beziehungen auf dem höchst möglichen Niveau pflegt.

Ihr Land spielte bei der Schaffung des Staatswesens des neueren Griechenlands eine wichtige Rolle. Es ist unser wichtigster Handelspartner und außerdem unser Verbündeter in der NATO.

Und schließlich gehören sowohl Deutschland als auch Griechenland zu jenen Ländern der Europäischen Union, die im Zentrum der Bemühungen um eine möglichst umfassende europäische Integration stehen.

 

Herr Präsident,

die Entwicklungsspielräume sowohl unserer bilateralen als auch der Europa übergreifenden Beziehungen sind noch sehr groß. Sie besuchen Griechenland und Athen in einem historischen Augenblick, in dem unsere Stadt auf meiner Ansicht nach perfekte Weise unter Beweis stellte, dass sie sich nicht darauf beschränkt, sich auf den Lorbeeren der Vergangenheit auszuruhen.

Athen ist dynamisch ins 21. Jahrhundert eingetreten und die vor Kurzem ausgetragenen Olympischen Spiele zeigten auf, dass unsere Hauptstadt mehr als nur bereit ist, in der gesamten Region Südosteuropa sowie im östlichen Mittelmeer als dynamische regionale Metropole eine erweiterte Rolle zu übernehmen.

Ich bin überzeugt davon, dass Ihnen Ihr doppelter Besuch sowohl bei den Olympischen Spielen als auch bei den Paralympics, denen gegenüber Sie zu Recht noch größere Sensibilität zeigen, die Gelegenheit gegeben hat, sich auch selbst von der tiefgreifenden Metamorphose der griechischen Hauptstadt zu überzeugen.

Athen und ganz Griechenland sehen der deutsch-griechlschen Zusammenarbeit als bedeutendem Faktor für Stabilität und Entwicklung für die gesamte weitere Region auch in der Zukunft optimistisch entgegen.Herr Präsident, mit diesen Überlegungen möchte ich Sie bitten, den höchsten Ausdruck der Hochachtung der Stadt Athen, den Goldenen Verdienstorden der Stadt Athen, entgegen zu nehmen.

 

 

Ansprache von Bundespräsident Horst Köhler aus Anlass der Verleihung der Goldenen Verdienstmedaille der Stadt Athen

 

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,

sehr geehrter Herr Vorsitzender des Gemeinderates,

sehr geehrte Mitglieder des Gemeinderates,

sehr geehrte Damen und Herren,

 

für die freundlichen Worte der Frau Bürgermeisterin und des Vorsitzenden des Gemeinderates danke ich Ihnen herzlich. Die Goldene Verdienstmedaille nehme ich sehr geehrt und stellvertretend für mein Land gerne an.

Was unsere Länder verbindet, sind Jahrhunderte alter Freundschaft, politische und kulturelle Kontakte, sowie neuerdings sogar der Sport.

Athen gilt uns als Wiege der Demokratie. Die kulturelle Bedeutung, die Griechenland für Europa, und ich darf hier sagen: ganz besonders für uns Deutsche, gehabt hat und noch immer hat, zeigt sich unter anderem daran, dass Athen das älteste Goethe-Institut weltweit beherbergt. Die Sprache ist wohl der wichtigste Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis zwischen den Völkern.

 

Meine Damen und Herren,

Sie sehen, die Frau Bürgermeisterin hat mich mit ihren perfekten deutschen Sprachkennt-nissen so beeindruckt, dass ich davon ausgegangen bin, dass Sie alle Deutsch sprechen. Aber ich bleibe deshalb auch dabei, die Sprache ist wohl der wichtigste Schlüssel zum gegen-seitigen Verständnis zwischen den Völkern, und Griechenland kann da eine beein-druckende Bilanz vorweisen. Nirgendwo auf der Welt werden mehr deutsche Sprachprüfungen abgelegt als hier. Mehr als 300.000 Ihrer Landsleute leben heute in der Bundesrepublik Deutschland. Etwa jeder 10. Grieche hat ein Teil seines Lebens in unserem Land verbracht. Und einige Tausend junge Griechen studieren - wie auch die Frau Bürgermeisterin früher das einmal getan hat - an deutschen Hochschulen. Und nun kommt ja auch noch das sportliche hinzu. Ich erinnere nur an den berühmten griechischen Helden „Rehakles“, der nun zum großen Sohn Ihrer Stadt geworden ist.

Doch Spass beiseite:

Meine Gespräche mit Staatspräsident Stefanopoulos haben mir auch auf politischer Ebene gezeigt: Zwischen Griechenland und Deutschland herrscht breite Übereinstimmung und Freundschaft. Das hat sich nicht zuletzt bei der Diskussion über die Europäische Verfassung erwiesen, wo sich beide Länder für eine noch stärkere Europäische Integration eingesetzt haben. Griechenland und Deutschland erkennen die Notwendigkeit einer engen trans-atlantischen Beziehung und eines starken und einigen Europas.

Nicht zuletzt haben wir auch ein gemeinsames Interesse, den Balkan zu stabilisieren und an Europa heranzuführen; hier kommt Griechenland eine besondere Brückenfunktion zu.

 

Meine Damen und Herren,

es ist mir eine besondere Freude, gerade heute hier sein zu dürfen, am Vorabend des 170. Jahrestages, an dem Athen durch den königlichen Dekret Ottos zur Haupt- und Residenzstadt erklärt wurde.

Seither ist die Stadt unaufhörlich gewachsen und die Ausrichtung der Olympischen Spiele war eine bewundernswerte Leistung an Organisation, Gastfreundschaft und eben griechischer Qualität. All diese Anstrengungen haben sich meines Erachtens gelohnt.

Sie haben auf eine Art und Weise, die die Achtung der ganzen Welt hervorgerufen hat, beispielhafte Spiele organisiert. Athen hat sich weltweit als Aushängeschild eines gast-freundlichen, modernen und effizienten Griechenlands präsentiert. Und ich selber, meine Damen und Herren, habe mich schlicht über die warmherzige Gastfreundschaft immer wieder immer wieder gefreut und danke dafür.

Athen war und ist also einer der besten Repräsentanten, den sich Hellas wünschen kann. Und dazu gratuliere ich Ihnen ganz herzlich, der Bürgermeisterin, dem Gemeinderat und allen Athenern.

In Deutschland ist es üblich, dass jeder gebildete Deutsche und vor allem jeder Bundes-präsident immer Griechen zitieren muss. Und deshalb will ich auch einen berühmten Griechen, Perikles, zitieren, der einmal gesagt hat: „Unsere Stadt Athen ist im Ganzen die Hohe Schule Griechenlands”. Mit der Ausrichtung der Olympische Spiele haben Sie das 2.500 Jahre später einmal mehr eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

 

meine Damen und Herren,

Frau Bürgermeister,

meine sehr geehrten Damen und Herren des Gemeinderates,

ich freue mich sehr und ich fühle mich sehr geehrt, dass diese große bewundernswerte Stadt mir ihre Goldene Medaille verliehen hat. Vielen Dank.

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Willkommen in der Stadt Athen

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