Rede von Botschafter Dr. Roland Michael Wegener zum Volkstrauertag am 14.11.2010

Wir wollen heute am Volkstrauertag die Erinnerung bewahren und gedenken dabei der Millionen Toten, die Krieg und Gewaltherrschaft gefordert haben. Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben, der Menschen, die durch Kriegshandlungen oder danach in Gefangenschaft, als Vertriebene und Flüchtlinge ihr Leben verloren. Wir gedenken aber insbesondere der Soldaten, die hier auf dem Soldatenfriedhof in Dionysos ihre letzte Ruhe gefunden haben.Mehr als 15.000 Soldaten verloren während des Zweiten Weltkrieges ihr Leben auf griechischem Territorium. Fast 10 000 fanden ihre letzte Ruhe hier in Dionysos.

Es sind viele Jahre seit dem Zweiten Weltkrieg vergangen, ganze zwei Generationen. Die Erinnerung verblasst. Auch diejenigen, die im Krieg um die Gefallenen trauerten - Eltern, Frauen, Bräute, Geschwister - sind heute meistens nicht mehr unter uns. Aber gleichgültig, wie lange der Krieg zurückliegt: wir gedenken mit Trauer und Achtung dieser Menschen, die alle gehofft hatten, lebend aus dem Krieg zurückzukehren und denen es nicht gelungen ist.

Wir gedenken der Toten nicht nur, weil wir Trauer verspüren, sondern auch weil sie uns etwas zu sagen haben. Sie zeigen, wohin Hass, Gewalt und Verblendung führen. Sie zeigen, zu welcher Unmenschlichkeit der Mensch fähig sein kann. Die Toten, die hier begraben sind, sind uns Mahnung und Ansporn, dass es keinen Angriffskrieg und keine Verletzung der Menschenrechte geben und dass Unrecht nicht toleriert werden darf. Sie geben zugleich die Antwort auf die Frage, warum wir ein vereinigtes Europa brauchen und uns so dafür engagieren.

Meine Damen und Herren, dies ist die Botschaft, die vom heutigen Volkstrauertag ausgeht. Die Ereignisse im vergangenen Jahrhundert machen uns deutlich, dass wir in unserem gemeinsamen Einsatz für Frieden, Freiheit und eine glückliche Zukunft der Völker nicht nachlassen dürfen. Wir müssen die Sehnsucht nach einer Welt ohne Krieg aufrecht erhalten. Nach einer Welt, in der Kinder spielen dürfen und die Welt als lebenswert begreifen lernen. Eine Welt, in der wir uns versöhnen und der Ungerechtigkeit ein Ende machen können. Mit diesem Ziel gedenken wir heute gemeinsam der Toten, der Opfer von Krieg und Gewalt und Schreckensherrschaft.

Meine Damen und Herren, lassen Sie uns nun in Stille verharren und unserer Toten gedenken.

Ich danke Ihnen.

Botschafter Dr. Roland Michael Wegener